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EFERDINGER LAND. Der Upcycling-Gedanke beschäftigt Claudia Lang bereits seit ihrer Kindheit. Sie berichtet, wie sie dazu kam, alte Stoffe wiederzuverwerten und wie wichtig für sie Nachhaltigkeit und Fairness in der Modebranche sind.

Claudia Lang, Glühbirnchen, Alkoven

„Mit der Idee, aus alten Stoffen etwas Neues zu machen, bin ich sozusagen aufgewachsen, es war mir nur lange nicht bewusst. Meine Omi kleidete uns Enkelkinder schon in den 1970er Jahren in umgeschneiderte Erwachsenen Sachen. Zum Beispiel hat sie den alten Wintermantel meiner Mutter zerteilt, in eine kindliche Form gebracht, flauschig gefüttert, da und dort noch ein nettes Detail angenäht und schwups war die kleine Claudia – eben ich – für den nächsten Winter gut eingepackt. Ich bin demnach mit Upcycling groß geworden – schon 20 Jahre bevor der Begriff überhaupt geprägt war! Das geschah damals nicht aus einer materiellen Not heraus, sondern aus einer Grundhaltung: Meine Omi hatte den Stoff als wärmend und gut empfunden – als zu gut, um ihn einfach wegzuwerfen. Sie hat das Vorhandene dem aktuellen Bedarf angepasst! Ich habe mein Leben lang nie das Gefühl gehabt in alten Kleidern herumzulaufen. Nein, ich hatte einen neuen Dufflecoat bekommen! Das ist Nachhaltigkeit pur. Die Schafwolle, das Färben, Spinnen und Weben des Wollgewebes und die damit verbundenen Transportwege waren nicht mehr nötig, es war ja alles schon da!
Ich bin überzeugt davon, wenn es uns Konsumenten in der ersten Welt mehr gelingt, diese Nachhaltigkeit und Fairness zu leben, dann wirkt sich das auch auf die Lebensbedingungen des Baumwollpflückers in Ostafrika und der Näherin in Bangladesch aus. Es ginge dann weniger darum, möglichst viel in kurzer Zeit, um sehr wenig Geld zu produzieren, sondern um den Wert der Ware und der geleisteten Arbeit an sich. Jeder, der im Mode- und Bekleidungskarussell mithalten will, handelt oft gegen seine natürlichen Bedürfnisse. Je schneller es sich dreht, desto weniger geht´s ums Wertschätzen von dem, was geschaffen wurde: ob´s der kreative Entwurf ist, der Rohstoff oder die geleistete Arbeit im Herstellungsprozess. Deshalb halte ich viel vom direkten Kontakt mit meinen Kund*innen. Über die von mir ins Leben gerufene Tausch-Option kann jeder im nachhaltigen Textilkreislauf mitmachen und den Upcycling-Gedanken weitertragen.“

 

Mit ihrem Unternehmen „Glühbirnchen“ haucht die Alkovnerin Claudia Lang gebrauchten Stoffen oder alten Kleidungstücken neues Leben ein. Ihre Grundhaltung ist es, das Wertvolle an Bestehendem zu erkennen und einer neuen Verwendung zuzuführen. Dadurch werden Rohstoffe geschont und Müll vermieden. Wer darüber mehr wissen möchte, kann sich unter www.gluehbirnchen.at näher informieren.

Claudia Lang fertigt aus alten Stoffen neue Produkte

Fotos: Claudia Lang